Archiv und Sammlung Hermann Rorschach

Klecks von Hermann Rorschach

Geschichte des Rorschach-Archivs

Die Gründung des Rorschach-Archivs, später Archiv und Sammlung Hermann Rorschach, ist Walter Morgenthaler, einem Berner Psychiater, zu verdanken. Walter Morgenthaler und Hermann Rorschach hatten sich anlässlich von Versammlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie kennen gelernt. Eine intensivere Beziehung zwischen den beiden entstand aber erst in den Jahren 1914/1915, als Hermann Rorschach als Assistenzarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Waldau bei Bern arbeitete, wo Morgenthaler damals Oberarzt war. Als Rorschach später einen Verleger für sein Testverfahren suchte, setzte sich Morgenthaler sehr dafür ein, dass die “Psychodiagnostik” beim Verlag Ernst Bircher in Bern publiziert werden konnte. Sie erschien 1921 als zweiter Band in der Reihe “Arbeiten zur angewandten Psychiatrie“, deren Herausgeber Morgenthaler war. Nach dem frühen Tod von Hermann Rorschach (1922) engagierte sich Morgenthaler unermüdlich für die Verbreitung und Institutionalisierung des Rorschach-Verfahrens. Auf seine Anregung rief die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie eine Rorschach-Kommission ins Leben, die sich mit allen Fragen des Unterrichts in der Rorschach-Methode und –Forschung befassen sollte; diese Aufgabe übernahm später die 1952 gegründete Internationale Gesellschaft für Rorschach-Forschung (heute International Society of the Rorschach, ISR). Die Rorschach-Kommission inaugurierte die Schaffung eines internationalen Rorschach-Archivs, das seit 1957 von der Universitätsbibliothek Bern (UB) gehütet wird.

Zu Beginn seines Bestehens gelangte das Archiv in den Besitz wichtiger Publikationen zum Rorschach-Test und zweier bedeutender Briefwechsel. Abgesehen von einigen Fotos aus Familienbesitz blieb diese Korrespondenz aber während Jahrzehnten das einzige an Rorschach-Originalia. In der Folge stagnierten die Kontakte zwischen den Partnern und damit auch ein weiterer Bestandesausbau. Immerhin hinterliessen zwei ehemalige Präsidenten der Internationalen Rorschach Gesellschaft, Marguerite Loosli-Usteri und Kenower W. Bash, dem Rorschach-Archiv ihre Arbeiten und Briefwechsel zum Rorschach-Test.

Erst anfangs der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts wurden die Beziehungen zwischen der UB und der Internationalen Rorschach Gesellschaft reaktiviert. In gemeinsamer Anstrengung gelang es seither, den Bestand an gedruckten Publikationen auszubauen, zu reorganisieren und vollständig zu katalogisieren. Die beiden Kinder von Hermann Rorschach schenkten dem Archiv einen beachtlichen Teil des Nachlasses ihres Vaters. Einen substantiellen Zuwachs bildete zudem der Nachlass von Rorschachs ehemaligem Kollegen und Schüler Georg A. Roemer. Nachforschungen im In- und Ausland förderten überdies weitere aufschlussreiche Dokumente an den Tag.

1998 wurde das Archiv in eigens dafür gemieteten Räumlichkeiten am Dalmazirain 11 in Bern untergebracht. Zwei Jahre später feierten die Internationale Rorschach Gesellschaft, die Universitätsbibliothek Bern und der Verlag Hans Huber die Eröffnung von Archiv und Sammlung Hermann Rorschach.